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Khazna Solar PV in Abu Dhabi: 1,5 Gigawatt Solarpark liefert Strom rund um die Uhr

Ingenieur mit Helm prüft Daten auf Tablet vor großen Solarpanelreihen in sonniger Wüstenanlage

In Abu Dhabi entsteht derzeit ein Solarpark, der gleich mehrere bisherige Bestmarken übertreffen dürfte. Das Projekt mit dem Namen „Khazna Solar PV“ ist darauf ausgelegt, nicht nur enorme Mengen an Ökostrom zu erzeugen, sondern diese Energie auch 24 Stunden am Tag verfügbar zu machen. Der Wüstenstaat setzt damit konsequent auf Sonne statt Öl – und erprobt im Großformat, wie eine Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe funktionieren kann.

Ein Solarkraftwerk so groß wie eine Kleinstadt

Geplant ist der Solarpark in einem Wüstenareal bei Abu Dhabi mit einer Ausdehnung von rund 90 km². Realisiert wird das Vorhaben über ein Joint Venture von Masdar, Engie und der Emirates Water and Electricity Company (EWEC). Das Ziel ist klar definiert: Ab 2027 soll die Anlage 1,5 Gigawatt sauberen Strom bereitstellen – ohne Pause, an jedem Tag des Jahres.

Khazna Solar PV soll als erste Anlage dieser Größenordnung dauerhaft Solarstrom liefern – Tag und Nacht, Sommer wie Winter.

Zum Einordnen: Mit 1,5 Gigawatt Kraftwerksleistung lässt sich der Bedarf einer größeren Millionenstadt decken. Die Betreiber kalkulieren offiziell zunächst mit Strom für etwa 160.000 Haushalte in den Emiraten. Die darüber hinausgehende Erzeugung fließt in das nationale Netz und verdrängt dort vor allem Strom aus Gas- und Ölkraftwerken.

Auch optisch ist das Projekt eine Ansage: Auf der Fläche könnten mehrere Innenstädte untergebracht werden. Wo zuvor nahezu nur Sand und vereinzelt Sträucher lagen, breitet sich nun ein endlos wirkendes Feld aus Solarmodulen aus – streng geordnet, Reihe an Reihe bis zum Horizont.

3 Millionen Solarpaneele und ein gigantischer Stromspeicher

Kern der Anlage sind rund 3 Millionen Photovoltaikmodule, die das Sonnenlicht unmittelbar in elektrische Energie umwandeln. Installiert werden sie auf nachführbaren Montagesystemen, den sogenannten „Solartrackern“.

Diese Tracker bewegen die Paneele im Tagesverlauf mit dem Stand der Sonne. So trifft das Licht über längere Zeit in einem günstigen Winkel auf die Zellen, was den Ertrag spürbar erhöht. In einer Wüstenregion mit fast dauerhaft klarem Himmel zahlt sich diese Technik besonders aus.

Damit die Einspeisung nach Sonnenuntergang nicht abrupt endet, erhält Khazna Solar PV ein umfassendes Speicherkonzept. Dafür setzen die Betreiber auf eine Kombination mehrerer Technologien, zum Beispiel:

  • Große Batterieparks auf Basis von Lithium-Ionen oder ähnlichen Systemen
  • Mögliche thermische Speicher, die Wärme zwischenspeichern und später in Strom umwandeln
  • Leistungsstarke Leistungselektronik, um Ein- und Ausspeisung ins Netz zu steuern

Nicht alle technischen Details werden von den beteiligten Unternehmen bereits offengelegt. Fest steht jedoch: Ohne einen Speichermix ist eine durchgehende Versorgung allein mit Sonne nicht realisierbar. Denn sobald nachts kein Licht auf die Module fällt, muss die tagsüber gespeicherte Energie die Versorgungslücke schließen.

Digitale Hightech bei Khazna Solar PV macht den Unterschied

Die Technik vor Ort besteht nicht nur aus Modulen und Speichern. Khazna Solar PV wird zusätzlich mit einer umfassenden digitalen Leit- und Regeltechnik ausgestattet, die laufend Messwerte erfasst und auswertet. Sensorik liefert unter anderem Informationen dazu:

  • Wie intensiv die Sonneneinstrahlung in jedem einzelnen Teilbereich gerade ist
  • Welche Strommenge jedes Panel im Detail produziert
  • Ob Staub oder Sand die Module teilweise verschattet
  • Wie hoch der Ladezustand der Speicher ist und wie sich das Stromnetz aktuell verhält

Auf Basis dieser Daten optimiert eine Software in Echtzeit die Ausrichtung der Paneele, legt Reinigungszyklen fest und steuert das Laden sowie Entladen der Speicher. Dadurch wird aus derselben Fläche mehr nutzbare Energie herausgeholt, und die Anlage kann schneller auf Störungen oder Wetterwechsel reagieren.

Ohne digitale Steuerung würde ein Solarpark dieser Größe nie stabil und rund um die Uhr laufen können.

Auch Vorhersagen sind Teil des Betriebs: Mit Wetterdaten, Satellitenbildern und KI-Modellen schätzen die Betreiber ab, wie viel Strom in den kommenden Stunden und Tagen zur Verfügung stehen wird. Das hilft, das Netz stabil zu führen, weil starke Schwankungen frühzeitig sichtbar werden.

Warum ausgerechnet die Wüste so attraktiv ist

Rund um Abu Dhabi treffen mehrere Standortvorteile zusammen: Die Sonneneinstrahlung zählt zu den höchsten weltweit, Niederschlag ist selten, und es gibt große, unbewohnte Flächen. Dadurch geraten Solaranlagen dort kaum in Konkurrenz zu Landwirtschaft oder Wohnraum.

Gleichzeitig ist die Umgebung anspruchsvoll. Hohe Temperaturen belasten Module und Speicher, und Sand sowie Staub senken ohne regelmäßige Reinigung den Wirkungsgrad. Entsprechend sind widerstandsfähige Komponenten und durchdachte Reinigungslösungen nötig – etwa halbautomatische Waschfahrzeuge oder Roboter.

So viel CO₂ spart die künstliche Sonne ein

Ein entscheidender Aspekt ist die Klimawirkung. Nach aktuellem Stand der Planung sollen jährlich rund 2,4 Millionen Tonnen CO₂ vermieden werden. Das entspricht ungefähr dem Ausstoß von 470.000 herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor in einem Jahr.

Kennzahl Wert
Leistung 1,5 Gigawatt
Fläche ca. 90 km²
Anzahl Module rund 3 Mio. Stück
Versorgte Haushalte ca. 160.000
Eingesparte CO₂-Emissionen 2,4 Mio. Tonnen/Jahr
Inbetriebnahme geplant 2027

Gerade für einen Staat, der lange nahezu vollständig vom Export fossiler Energieträger geprägt war, ist das mehr als reine Symbolpolitik. Die Emirate wollen sich als Taktgeber für klimafreundliche Technologien darstellen – vermutlich auch, um international ihr Image zu stärken und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Signalwirkung für andere Länder

International werden Vorhaben wie Khazna Solar PV als großflächiges Experiment betrachtet. Gelingt es, eine Anlage dieser Dimension dauerhaft stabil und zugleich wirtschaftlich rund um die Uhr zu betreiben, wächst der Druck auf andere Regionen, ähnliche Konzepte umzusetzen. Sonnenreiche Länder in Nordafrika, im Nahen Osten oder auch in Teilen Australiens könnten vergleichbare „Sonnenfabriken“ aufbauen.

In Europa sind die Rahmenbedingungen zwar andere, dennoch lassen sich zentrale Bausteine übertragen: die Kopplung aus Photovoltaik, Speichern und digitaler Steuerung, der modulare Aufbau sowie der Ansatz, erneuerbare Energie großräumig als Grundlast bereitzustellen.

Was hinter Begriffen wie Gigawatt und Solartracking steckt

Wer nicht täglich mit Energietechnik arbeitet, stößt in diesem Kontext schnell auf Fachwörter. Bei diesem Projekt fallen besonders zwei Begriffe auf: Gigawatt und Solartracking.

Ein Gigawatt beschreibt eine Leistung, also Energie pro Zeit. 1,5 Gigawatt entsprechen 1.500 Megawatt. Ein großes modernes Kohlekraftwerk liegt meist zwischen 500 und 1.000 Megawatt. Khazna Solar PV spielt damit in einer vergleichbaren Größenordnung – nur eben mit Sonnenlicht statt Kohle.

Mit Solartracking ist die automatische Nachführung der Module gemeint. Anstatt starr nach Süden ausgerichtet zu sein, kippen und drehen sich die Paneele entlang des Sonnenlaufs. Dadurch steigt die Tagesausbeute deutlich, weil die Module besonders morgens und abends mehr Licht aufnehmen.

Chancen und Risiken der künstlichen Sonne

Der größte Pluspunkt liegt im Klimaschutz: Es entstehen keine laufenden Brennstoffkosten, es gibt keine direkten Emissionen, und dennoch werden sehr große Energiemengen erzeugt. Zusätzlich sind die Kosten für Photovoltaik in den vergangenen Jahren stark gesunken, wodurch sich Großanlagen heute deutlich günstiger errichten lassen als noch vor einem Jahrzehnt.

Demgegenüber stehen neue Abhängigkeiten – etwa von Rohstoffen für Batterien und von globalen Lieferketten für Solarmodule. Ebenso ist die Frage des Recyclings nach 25 oder 30 Jahren Betriebszeit noch nicht vollständig geklärt. Länder, die viele solcher Parks bauen, müssen daher frühzeitig tragfähige Recyclingstrukturen aufbauen.

Für die Emirate und weitere Staaten könnte sich am Ende ein Mix etablieren: riesige Solarparks im Wüstensand, ergänzt um Windkraft, Speicherkraftwerke und intelligente Netze. Khazna Solar PV fungiert dabei als Labor im XXL-Format – und als künstliche Sonne, die bereits heute erahnen lässt, wie die Stromversorgung von morgen aussehen kann.


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